Krieg von Kelch und Krone

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Thomas Bleich
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Krieg von Kelch und Krone

Beitrag von Thomas Bleich » 16.04.2019 20:04

So nach einiger Bedenkzeit möchte ich nun ein Urteil über den Con "Krieg von Kelch und Krone" abgeben.

Zum Setting: Die Con fand im Rahmen des Epic Empire Setting im PvP zwischen den Lagern des König (Krone) und des Pilgerlagers (Kelch) statt. Bespielt wurde eine mittelalterliche Fehde zwischen den beiden Lagern, deren beider Führungsgruppen sich jeweils aus Ritterorden zusammensetzen. Es war also von Anfang an klar, wer die Befehle gibt. Das Empire Setting schließt auch ein erwachseneres du kannst was du kannst Kampfsystem mit ein. Ein bisschen wie auf dem ZDL. Dazu später mehr bei den Kämpfen. Der Gewandungsstandard auf dieser Con war sehr hoch angesetzt. Beide Seiten mussten sich an bestimmt Gewandungsmuster, passend zum Setting halten. Ich hatte das Glück, dass Dora und ein paar Kumpels von einer befreundeten Gruppe mich hierfür leihweise erstausgestattet haben. Die beiden Feldlager waren ebenfalls streng nach diesem Vorgabenkatalog gestaltet, was definitiv zu einer hohen Imersion beigetragen hat.

Zur Location: Es handelte sich um einen Zeltplatz im Westerwald, direkt hinter der kleinen Ortschaft "Astern". Man konnte nicht bis direkt an den Platz heranfahren, da ein Bach zwischen dem Parkplatz und den Gebäuden des Zeltplatzes floss. Darüber war eine Fußgängerbrücke gebaut, sodass man den ganzen Kram bis zum Zeltplatz schleppen musste. Rein Landschaftlich hat die Gegend aber wie die Faust aufs Auge gepasst. Das Dorf liegt direkt neben dem Zeltplatz und hat eine ganze Reihe von Fachwerkhäusern, was zum mittelalterlichen Setting Stimmungsvoll beiträgt. Ansonten gibt es viel Natur und Pferdeweiden außen rum. Die Zeltplatzhütten selbst sind im Blockhausstil gehalten und stören somit auch nicht das Gesamtbild. Es gibt Strom, fließend Wasser und auch einen Duschen und Toilettenbereich. Leider konnte man das Ambiente nicht so ganz genießen, weil es die drei Tage über saukalt war, der Platz macht dem Lied vom Westerwald alle Ehre, der Wind pfeift kalt und es schneit im April ;-). Ich glaube aber, dass der Platz im Sommer oder Spätfrühling ne richtig tolle Location abgibt.
Er hat aber auch zwei kleine Nachteile: Darauf befindet sich auch der Kinderspielplatz des Dorfes. Um diesen herum haben die Pilger ihr Zeltlager errichtet, sodass dies nicht so sehr ins Gewicht fiel. Allerdings hat der Spielplatz den Nachteil, dass er natürlich die Eltern und Kinder des Dorfes gelegentlich mal anzieht. Überhaupt waren die Dorfbewohner extrem neugierig und wir mussten eine Menge freundlich gemeinte Fragen beantworten. Wir haben versucht sie ein bisschen außerhalb des Lagers zu halten, aber gerade für die Kids war es aus zwei Gründen schwer nicht zwischen die Zelte zu laufen: Ritter + Spielplatz. Die hätten am liebsten gleich mitgemacht. Eine Mutter hat am Samstag sogar die Kids ein bisschen verkleidet und ist über den Platz gelaufen (selber natürlich nicht verkleidet). Offenbar hing die Euphorie über das unverhoffte Mittelalterereignis damit zusammen, dass der Platz zuvor noch nie für ein Larp benutzt worden war.

Zur Gemeinschaft: Die Gruppe Nordmark, die mir bei der Erstausstattung mitgeholfen und Dora und mich beherbergt hat, ist ein nettes größeres Trüppchen, ähnlich zu unserem Verein. Man kampiert zusammen und spiel im selben Setting, wobei natürlich die Gewandungsstandards einzuhalten sind. IT gibt es natürlich theoretisch den Nachteil, dass die Ritter der Gruppe hierarchisch über den anderen Gruppenmitgliedern stehen, aber das schien mir eigentlich nicht sehr hinderlich zu sein. Vielmehr brachten sich die einzelnen Gruppen, wie zum Beispiel die Mägde und die Ritter gegenseitig durchaus Respekt entgegen. Jeder hat halt so seine eigenen Aufgaben. Die Mägde waren zum Beispiel gleichzeitig die Heiler. Ich hatte nicht den Eindruck, dass krampfhaft versucht wurde irgendwelche überkommenen Gesellschaftsnormen zu pflegen. Bei der Knappenrunde dürfte ich auch als Nichtadliger zum Beispiel ungefragt am Tisch sitzen bleiben. Auch mit den Rittern konnte man sich super unterhalten. Ich halte das nicht für selbstverständlich, zumal ja so großer Wert auf die korrekte Gewandung gelegt wird und die meisten Nordmarker gaben sich auch alle Mühe diesen Standard sehr hoch zu halten.
Persönlich hatte ich dennoch so ein bisschen das Problem mich einzubringen. Ist halt immer so ein bisschen das Problem, dass man sich plötzlich in einer Gruppe von Leuten wiederfindet, die sich schon seit Jahren kennen und man versucht nirgends zu sehr anzuecken, ohne die Gruppenrituale und Traditionen genau zu kennen. Das ist aber nur mein Problem, wer Lust auf ein etwas ernsthafteres Mittelaltersetting und auf Leute hat, die sich wirklich viel Mühe geben um dieses zu erreichen, dem sind die Nordmarker sehr ans Herz zu legen.

Zu den Kämpfen: Bedingt durch die Kälte und die Tatsache, dass das Pilgerlager vielleicht halb so groß wie das Königslager war, wurde leider weniger gekämpft als ich es mir gewünscht hätte. Die Pilger konnten halt mit Leichtigkeit von den Königstreuen ausmanövriert werden und ich habe von deren Seite ein paar sehr schöne Manöver gesehen, bei denen Pikenträger, Schildträger und Bogenschützen gut zusammengearbeitet haben. Leider war auf unserer Seite immer schnell die Luft raus, weil wir einfach nicht genug Leute hatten. Oftmals sind bei kleineren Scharmützeln sogar auf beiden Seiten viele Leute im Lager geblieben, teils aus Frust, teils um sich Warmzuhalten. Am Samstag war schon um 15:00 Uhr Schluss mit der Fehde, weil unsere Ritter sich geschlagen gegeben haben. Allerdings hatten sie auch allen Grund dazu, denn wir hatten zuvor mehrere Kämpfe Sang und Klanglos verloren und einige Leute waren schon mit Erkältung abgereist. Rein IT haben sie die einzig richtige Entscheidung getroffen. Ich bezweifele, dass irgendein mittelalterlicher Ritter anders gehandelt hätte, immerhin sind Knechte teuer und schwer zu ersetzen, von den dauernden Kosten für das Freikaufen aus der Gefangenschaft ganz zu schweigen (ja, es gab häufig Lösegeldforderungen für Knappen und Ritter).
Die Kämpfe selbst verliefen weitesgehend Safe, aber das freie Kampfsystem hat auch ein paar Mal recht deutliche Nachteile demonstriert: Es wird fast überhaupt nicht mehr Abgestoppt. Insbesondere wenn der Angriff von hinten kommt finde ich das sehr irritierend. Einmal hab ich mich so erschrocken, weil der Schlag so unerwartet hart kam, dass ich statt umzufallen mich umdrehte und dabei den Angreifer mit meiner Mordaxt erwischte. Ich finde da muss eine andere Lösung her.
Außerdem gab es zwei Fälle, bei denen ich ganz klar grobe Fahrlässigkeit auf Seiten des Angreifers vermute.
Zum einen während eines Duells, bei dem einer der Ritter mit seinem Zweihandschwert eine 360 Grad Drehung vollführte und seinen am Boden knienden Kontrahenten mit voller Wucht am (glücklicherweise behelmten) Hinterkopf traf, ungefähr auf Höhe der Halswirbel. Das schlimme daran war, dass er nicht sehen konnte, wann der Treffer erfolgen würde, weil er dem Gegner im Moment des Treffers den Rücken zugewandt hatte. Genausogut hätte er ihn von vorne, am Kehlkopf erwischen können, oder ohne Helm direkt in den Nacken.
Zum anderen als ich mal gegen drei Stangenwaffen kämpfte (mit Schwert und Schild). Es war nur eine Frage der Zeit bis ein Treffer durchgehen würde, als es dann aber geschah, war es ausgerechnet ein Stich zum Kopf, der mir mitten auf die Lippe ging (ich kann jetzt noch den Sand von der Speerspitze schmecken). Ich will dem Angreifer jetzt keine Absicht unterstellen, aber angesichts der Lage (mit mir in ohnehin schon deutlicher Bedrängnis) wäre es an IHM gewesen ein bisschen mehr Rücksicht zu nehmen und sich eine safere Treffezone zu suchen. Mit etwas Pech hätte dieser Stoß auch ins Auge gehen können.
Leider kann ich nicht sagen, dass mir dieses Kampfsystem sehr gut gefällt. Mir fehlt einfach die Höflichkeit unter den Kontrahenten. Es war nicht mal mehr eine Entschuldigung zu hören, wenn mal was schiefging. Das ist die schmale Linie, an der der Imersionsgedanke die Grenze zur Fahrlässigkeit überschreitet, denn diese kleine Höflichkeit ist dazu angedacht den Angreifer dazu zu bringen für die Sicherheit seines Gegners mitzudenken (und sich selbst kurz reflektierend mit seinen eigenen Handlungen zu befassen). Dieser Gedanke fehlt beim Epic-Kampfsystem. Ja, es gab keine Schwerverletzten, aber das ist aus meiner Sicht eher eine Frage der Zeit als eine Frage des "erwachsenen" Umgangs miteinander. Es geht eben doch nicht ganz ohne Regeln.

Fazit: Rein von der IT-Logik her hat die Con gut funktioniert, zumindest was die Entscheidungen der "Führungsschicht" in Form der Ritter angeht, auch der Gewandungsstandard und die gewählte Location haben hierzu sehr viel beigetragen. Auch wenn ich mich persönlich nicht immer so wohl im Setting gefühlt habe, heißt das nicht, dass es anderen genau so gehen muss. Ich würde der Sache auf jeden Fall noch eine zweite Chance geben, insbesondere um die Mitspieler noch etwas besser kennen zu lernen. Dann kann man sich vielleicht auch besser auf das etwas riskantere Kampfsystem einlassen.
Haltet die Linie! Für Morkan!!!

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